Bildnerisches Gestalten

bezeichnet die Umsetzung und Übersetzung von Vorstellung und gesehener Wirklichkeit in eine eigene zweidimensionale Sprache.

Bild: Prof. Katharina Immekus

Ein Bild von etwas zu machen bedeutet automatisch Reflexion und impliziert das ständige Forschen und In-Frage-Stellen von Inhalten im Zusammenhang mit analoger Darstellung und den dafür zur Verfügung stehenden Mitteln. Bildende Kunst bedeutet, ein Anliegen, eine Idee, eine Entwicklung, etwas Beobachtetes, eine Situation, ein Gefühl, eine Erfindung bzw. alles zusammen in Form von einem Bild ausdrücken zu wollen. Es beinhaltet theoretisches und praktisches Wissen im eigenen Feld und setzt einen offenen und kritischen Umgang mit den eigenen Mitteln und denen der Anderen voraus. Da die Bildinhalte eines Künstlers aus vielen Fach- und Lebensbereichen gezogen werden, muss das Interesse an verschiedenen Bereichen außerhalb der Kunst, aber natürlich besonders das Interesse an den benachbarten künstlerischen Disziplinen selbstverständlich sein.

Bildnerisches Gestalten sucht in der immer wiederkehrenden Neu-Verkopplung von Dingen und Oberflächen nach neuen Erkenntnissen für die Optionen zweidimensionaler Darstellung. Während Architektur sich mit Räumen und den darin befindlichen Objekten befasst, also dreidimensional denkt und wirkt, fixieren Bilder eine individuelle, subjektive Realität auf einer zweidimensionalen Fläche. Sie formulieren eine Möglichkeit und kommen bestenfalls zu einer überzeugenden Darstellungsform, jedoch nicht zu einer Antwort. Ein bereicherndes Bild muss offen bleiben und darf keinen Endpunkt bezeichnen. Die Varianten einer interessanten Darstellung und Annäherung sind in der Praxis künstlerischer Arbeit und Forschung endlos. Begrifflichkeiten wie „richtig und falsch“ finden eigentlich keine Verwendung. Dennoch gibt es objektiv zu nennende Grundlagen, Parameter, Tricks und Tools, die dazu dienen, die Visualisierung der eigenen Bildidee möglich zu machen und die in ihrer häufigen Anwendung dazu führen, dass Bilder schlüssiger werden bzw. dass man sich über Bilder auf einem bestimmten Niveau unterhalten kann.

Die künstlerisch forschende Herangehensweise bedeutet, Teile einer Umgebung als interessant zu identifizieren, sie aus ihren Zusammenhängen zu lösen und mittels der eigenen Formensprache in anderen Kontexten wieder aufleben zu lassen. In der Fähigkeit des Erkennens und dem Spiel, mit den Darstellungsmitteln etwas Neues, manchmal Unerwartetes zu schaffen, liegt der Sinn von künstlerischem Tun und damit auch die Wichtigkeit und der Nutzen des Fachgebiets für den Fachbereich Architektur. In dem ausdrücklichen Interesse des Fachbereichs an einem zeitgenössischen Verständnis von analogem bildnerischen Gestalten liegt das Potenzial einer wirklich interessanten Zusammenarbeit.