Intro

Bildnerisches Gestalten

Bildnerisches Gestalten bezeichnet die Umsetzung und Übersetzung von Vorstellung und gesehener Wirklichkeit in eine eigene zweidimensionale Sprache. Ein Bild von etwas zu machen bedeutet automatisch Reflexion und impliziert das ständige Forschen und In-Frage-Stellen von Inhalten im Zusammenhang mit analoger Darstellung und den dafür zur Verfügung stehenden Mitteln. Bildende Kunst bedeutet, ein Anliegen, eine Idee, eine Entwicklung, etwas Beobachtetes, eine Situation, ein Gefühl, eine Erfindung bzw. alles zusammen in Form von einem Bild ausdrücken zu wollen. Es beinhaltet theoretisches und praktisches Wissen im eigenen Feld und setzt einen offenen und kritischen Umgang mit den eigenen Mitteln und denen der Anderen voraus. Da die Bildinhalte eines Künstlers aus vielen Fach- und Lebensbereichen gezogen werden, muss das Interesse an verschiedenen Bereichen außerhalb der Kunst, aber natürlich besonders das Interesse an den benachbarten künstlerischen Disziplinen selbstverständlich sein.
Bildnerisches Gestalten sucht in der immer wiederkehrenden Neu-Verkopplung von Dingen und Oberflächen nach neuen Erkenntnissen für die Optionen zweidimensionaler Darstellung. Während Architektur sich mit Räumen und den darin befindlichen Objekten befasst, also dreidimensional denkt und wirkt, fixieren Bilder eine individuelle, subjektive Realität auf einer zweidimensionalen Fläche. Sie formulieren eine Möglichkeit und kommen bestenfalls zu einer überzeugenden Darstellungsform, jedoch nicht zu einer Antwort. Ein bereicherndes Bild muss offen bleiben und darf keinen Endpunkt bezeichnen. Die Varianten einer interessanten Darstellung und Annäherung sind in der Praxis künstlerischer Arbeit und Forschung endlos. Begrifflichkeiten wie „richtig und falsch“ finden eigentlich keine Verwendung. Dennoch gibt es objektiv zu nennende Grundlagen, Parameter, Tricks und Tools, die dazu dienen, die Visualisierung der eigenen Bildidee möglich zu machen und die in ihrer häufigen Anwendung dazu führen, dass Bilder schlüssiger werden bzw. dass man sich über Bilder auf einem bestimmten Niveau unterhalten kann.
Die künstlerisch forschende Herangehensweise bedeutet, Teile einer Umgebung als interessant zu identifizieren, sie aus ihren Zusammenhängen zu lösen und mittels der eigenen Formensprache in anderen Kontexten wieder aufleben zu lassen. In der Fähigkeit des Erkennens und dem Spiel, mit den Darstellungsmitteln etwas Neues, manchmal Unerwartetes zu schaffen, liegt der Sinn von künstlerischem Tun und damit auch die Wichtigkeit und der Nutzen des Fachgebiets für den Fachbereich Architektur. In dem ausdrücklichen Interesse des Fachbereichs an einem zeitgenössischen Verständnis von analogem bildnerischen Gestalten liegt das Potenzial einer wirklich interessanten Zusammenarbeit.

Lehre

Am oben benannten Verständnis von Bildnerischem Gestalten werden sich das Lehrkonzept und die Forschungsvorhaben des Fachgebiets orientieren. Das Fachgebiet führt Lehrveranstaltungen im Bachelor- und Masterstudiengang durch. Praktisches Erlernen der Grundlagen analogen Gestaltens (Zeichnen, Malen, Grafik, Collage, Fotografie) ist elementar und soll von Beginn an mit Sinn und Bewusstsein für Kunst und Architektur unterrichtet werden. Der künstlerisch geprägte Ausbildungsteil ist für die technisch-funktionale Komponente architektonischen Schaffens eine unabdingbare Ergänzung. Aufeinander aufbauende Aufgaben sollen den Studierenden deutlich machen, wie wichtig, erhellend, schön und in der Vertiefung auch schwierig, das Produzieren von Bildern sein kann.
In der Vermittlung von Bildnerischem Gestalten werden Fragestellungen thematisiert, die mit Wirkung, Duktus, Authentizität, Phantasie, Sensibilität, Formaten, Charakter, Material, Raum, Zwischenraum, Situationen, Natur, Figur, Dingen, Wiederholungen, Mustern, Relationen, Abstraktion und Atmosphäre zu tun haben. Teilbereiche der künstlerischen Darstellung werden in den Fokus gerückt, in Seminaren vertieft, ihnen wird Raum und damit Geltung verschafft.
Ziel der Lehre ist es, dass Studierende die Fähigkeit erlangen, bildnerisch ihre eigenen Ideen, besonders die, die im Zusammenhang mit einer Vorstellung von Architektur stehen, auszudrücken. Darüber hinaus sollen sie lernen, Dinge von einem künstlerischen Standpunkt aus zu betrachten, so dass das Studium in diesem Fachgebiet ihnen insgesamt eine bleibende Erfahrung ist, aus der sie in ihrer Zukunft als praktizierende Architekten schöpfen können.